Tag der Brille: Jährlich 188 Milliarden Euro Produktionsverlust durch fehlende Brillen

// 21. April 2017 More

Einzigartges Projekt der Organisation Licht für die Welt versorgt die Bevölkerung Ugandas mit Brillen – auch mithilfe deutscher Unternehmen.

Brillen oder Kontaktlinsen sind für Menschen in Industrieländern eine Selbstverständlichkeit. Zum jährlichen Tag der Brille am 23. April erinnert die FachorganisationLicht für die Welt daran, dass besonders in den armen Ländern des Südens Sehschwächen ein großes Problem sind. Denn 90 Prozent aller Menschen mit Sehfehlern leben in den Entwicklungsländern und können sich Sehhilfen oft nicht leisten. „Kinder haben dadurch Probleme in ihrer schulischen Entwicklung, weil sie die Schrift auf der Tafel nicht lesen können und Erwachsene haben Schwierigkeiten am Arbeitsplatz und in ihrem sozialen Umfeld, wenn sie nicht richtig sehen können“, so Wolfgang Gindorfer, der deutsche Mitarbeiter von der Organisation. Weltweit könnten 153 Millionen Menschen mit Sehfehlern für die Ferne sowie 517 Millionen Menschen mit Alterssichtigkeit, die eine Lesebrille benötigen, leicht mit Brillen behandelt werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass durch fehlende Sehbehelfe ein jährlicher globaler Produktivitätsausfall für die Volkswirtschaft von 188 Milliarden Euro bzw. 202 Milliarden US-Dollars entsteht*. Deutsche Firmen wie Zeiss, die Firma Kindler und die Optischen Werke Passau unterstützen aktiv die Projekte von Licht für die Welt.

Wolfgang Gindorfer erklärt SchülerInnen in Uganda, wie sie ihr Sehvermögen testen können.

Nur jeder zehnte Mensch in Subsahara-Afrika hat eine Brille
Insgesamt haben rund 670 Millionen Menschen weltweit eine Form von Fehlsichtigkeit. Das entspricht knapp zehn Prozent der gesamten Menschheit. Besonders dramatisch ist die Situation in den armen Ländern südlich der Sahara. Dort trägt kaum jeder zehnte Mensch eine Brille. Die Gründe dafür sind, dass sich die augenärztliche und optische Versorgung hauptsächlich auf die Hauptstädte beschränken. Es fehlt an Fachpersonal, an geeigneten Geräten und an leistbaren Brillen, vor allem in den ländlichen Gegenden. Die Fachorganisation Licht für die Welt und ihre Partner unterstützen daher nicht nur Augenoperationen sondern seit 2008 auch ein umfassendes Pilotprojekt in Uganda (NIURE – Nationales Programm zur Behandlung von Sehfehlern), das bis heute mehr als 12.000 Menschen zu subsidiären Brillen verhalf. „Mit dem Gegenwert von nur zwei Hühnern kann einem Menschen mit einer Brille ein neues Leben ermöglicht werden. In der Privatwirtschaft in Uganda würde eine Brille mindestens das Zehnfache kosten, was vor allem für Menschen in ländlichen Gebieten unerschwinglich wäre“, so Gindorfer.

Ein junge in Uganda erhält eine Brille über das NIURE-Projekt.

Deutscher Einsatz in Afrika
Der gebürtige Augsburger Wolfgang Gindorfer, gelernter Augenoptiker und in Uganda staatlich anerkannter „Ophthalmic Clinical Officer“, ist seit 1985 in der Entwicklungszusammenarbeit in Afrika tätig. Seit 2007 arbeitet er für Licht für die Welt sowohl als Konsulent für mehrere Länder Afrikas und lebt seit mehr als 25 Jahren in Uganda, zuletzt in Funktion als Programmleiter von NIURE. Langjährige Partner der Projekte aus Deutschland sind die Optischen Werke Passau (OWP) und die Firma Kindler aus Nordrhein-Westfalen, die hochqualitative Brillenrahmen und Etuis nach Uganda lieferte. Auch die Firma Zeiss aus Oberkochen in Baden-Württemberg versorgte die Projekte mit modernen Ausrüstungen und sorgte für die Installation und die Betreuung vor Ort in Uganda.

Augenuntersuchung im Quiha Augenspital in Äthiopien

Offensive für Sehhilfen in Uganda durch Licht für die Welt
Besonders Schulkinder sind ohne Sehhilfen in ihrer Bildung und Entwicklung für ihr Leben lang beeinträchtigt. Über 80 Prozent von ihnen haben nach Schätzungen keinen Zugang zu augenärztlicher Untersuchung in den Ländern südlich der Sahara. Licht für die Welt bildet deshalb in Uganda OptometristInnen und augenmedizinisches Fachpersonal aus, organisiert Untersuchungen in Schulen am Land und schafft Bewusstsein für die Augengesundheit in der Bevölkerung des Landes. An insgesamt 240 Wänden wurden sogenannte „Sehkorridore“ gemalt, mit denen die Sehschärfe einfach getestet und auf das Thema „Sehen“ aufmerksam gemacht werden kann. Insgesamt wurden im Rahmen des Projekts seit 2008 mehr als 128.000 Schulkinder untersucht, 114.000 Augenglasbestimmungen durchgeführt und 12.000 Menschen mit maßgeschneiderten Brillen versorgt, die im Land selber produziert werden. Allein im letzten Jahr wurden knapp 2.800 Brillen produziert. Auch wurden an der Makerere Universität 2016 ein neues Ausbildungszentrum sowie eine Optometrie-Abteilung eingerichtet und mit modernen, optischen Messinstrumenten ausgerüstet. In Kooperation mit dem ugandischen Gesundheitsministerium sind dort derzeit 14 StudentInnen in verschiedenen Jahrgängen in Ausbildung zu OptometristInnen. Von Anfang an wurde mit der Regierung in Uganda zusammen gearbeitet. Bis Ende 2020 soll das Programm dann in die Hände der ugandischen Regierung gelegt werden.

*Schätzung der WHO zu Produktivitätsverlust in US Dollars

Quelle + Bilder: Licht für die Welt

Category: Branche + Ideen, NoOV

Comments are closed.

[adrotate group="10"]
not for smartphones